Architektur im Stadtraum

Ein Stadtbesuch ist für mich immer auch Spurensuche nach Themen, die vielleicht in der Architekturdiskussion aufgenommen werden und damit zur Übersetzung anstehen könnten.

Leipzig
Kürzlich stand nun Leipzig auf dem Programm, wo derzeit das Neue Augusteum und Paulinum der Universität Leipzig entsteht. Nachdem auf keine alte Bausubstanz mehr zurückgegriffen werden konnte, entschied man sich für einen modernen Neubau nach den Plänen des niederländischen Architekten Erick van Egeraat.

Morphologie
Kenneth Frampton nennt in seinem Buch „Die Architektur der Moderne“, dessen letztes aktualisierendes Kapitel ich übersetzt habe, die ganz eigenständig für ein Gebäude entwickelte Morphologie als eines der bestimmenden Merkmale der Architektur im Zeitalter der Globalisierung. Demnach werden Häute über die Baumasse gespannt, die organisch fließen oder streng gerichtet sind und in der Regel im Äußeren das Geschehen Innen nicht zum Ausdruck bringen.

An dem neuen Gebäudekomplex in Leipzig sieht man eine Fläche wie aus aneinandergenäht wirkenden Stoffstreifen. Die Nähte an den „Stoffen“ lassen untergegangene stadträumliche Situationen erahnen. Kollagenhaft integriert sind Fassaden- und Formzitate der untergegangenen Paulinerkirche.

Schon jetzt geschieht vor Ort seitens der Passanten eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk, die sicherlich auch nach der vollständigen Fertigstellung in der Fachwelt geführt werden wird und dann vielleicht auch übersetzt werden muss.

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