Konferenzdolmetschen im Wandel der Zeit

BDÜ-Fachkonferenz

Voller neuer Eindrücke und Ideen bin ich wieder zurück von der BDÜ-Fachkonferenz „Übersetzen in die Zukunft“. Der Vortrag von Klaus Ziegler mit dem Titel „Konferenzdolmetschen im Wandel der Zeit“ ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Es ging dabei um neue Marktentwicklungen und die Konsequenzen, die daraus zu ziehen sind. Laut einer von der AIIC (Internationaler Verband der Konferenzdolmetscher) 2012 durchgeführten Studie sind vor allem folgende Veränderungen zu beobachten:

Erhöhung des Fachlichkeitsgrades
Konferenzen und Fachtagungen finden in einem deutlich verkürzten Zeitrahmen statt. Dadurch erfolgt eine Konzentration auf rein fachliche Inhalte und Beiträge zu allgemeineren Themen fallen zunehmend weg.

Inhaltliche Dichte
Die Zunahme des verfügbaren Wissens, die hohe Innovationsgeschwindigkeit und der gestiegene Zeitdruck haben auch zu einer Vermittlung von Inhalten in stark komprimierter Form geführt. Mehrere Textseiten früherer Redemanuskripte werden heute oftmals grafisch aufbereitet und mit stark verkürzten Textelementen auf einer einzigen PowerPoint-Folie visualisiert.

Kurzfristigkeit durch den Einsatz moderner Kommunikationsmittel
Die modernen Medien und Kommunikationsmittel geben Rednern die Möglichkeit, ihre Beiträge noch bis wenige Minuten vor der Veranstaltung zu bearbeiten bzw. einzureichen. Auch die Dolmetscher erhalten die Beiträge entsprechend kurzfristig und es bleibt keine Zeit mehr für eine profunde inhaltliche und terminologische Vorbereitung.

Neues Anforderungsprofil
Für Konferenzdolmetscher bedeutet
– die hohe Fachlichkeit einen erhöhten Vorbereitungsaufwand,
– die inhaltliche Dichte eine zusätzliche Herausforderung für zielsprachengerechte Umkodierung und Rekomprimierung,
– die Kurzfristigkeit immer weniger Zeit für eine gründliche Vorbereitung, die aufgrund der hohen Fachlichkeit und Komplexität aber immer notwendiger wird.

Um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden, ist für den Konferenzdolmetscher eine fachliche Spezialisierung äußerst sinnvoll. Eingehende Fachkenntnisse in einem bestimmten Bereich ergänzen dann das breit angelegte Allgemeinwissen und hervorragende sprachmittlerische Fähigkeiten und können so zu einem Erfolgsfaktor werden.

Foto: Thorsten Weddig, BDÜ-Fachkonferenz 2012
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