Phantasievolle Redner

Phantasievolle Redner„Wir wollen die Banane ja nicht beim Kunden reifen lassen“. Dieser Satz war kürzlich bei einem Dolmetscheinsatz zu übersetzen. Wie bitte? Da war ich wirklich einen Moment sprachlos, was man als Dolmetscherin eigentlich nicht sein sollte.

Bananen, die eigentlich keine sind
Im Laufe der Jahre hat man es mit einer Vielzahl von Rednern zu tun. Nicht alle verwenden die üblichen Metaphern, sondern schaffen ihre ganz eigenen Sprachbilder. Im Falle besagter Banane, die beim Kunden reifen soll, war der Kunde kein Bananengroßhändler, wie man vielleicht meinen könnte. Das wäre letztlich auch unlogisch,  da er eben genau das macht: Er lässt seine Bananen beim Kunden reifen.

Des Rätsels Lösung
In diesem Fall handelte es sich um einen Dienstleister, der zum Ausdruck bringen wollte, dass er seinen Kunden ein fertiges, voll funktionsfähiges Produkt bzw. Verfahren zur Verfügung stellen möchte, an dem keine nachträgliche Optimierung mehr nötig ist.

Es galt also im Umkehrschluss: Dienstleistungen sind nicht wie Bananen – sie müssen reif zum Kunden kommen.

Um das zu erfassen, ist schon ein wenig Phantasie und Abstraktionsvermögen nötig. Häufig ermöglicht auch erst der Zusammenhang mit bereits Gesagtem ein Verstehen. Beim simultanen Dolmetschen muss eine solche Interpretation in Bruchteilen von Sekunden erfolgen. Und dann muss man sich in diesen Bruchteilen natürlich auch noch überlegen, wie man das Gehörte am besten in die andere Sprache überträgt. Durchaus eine Herausforderung. Aber wir lieben ja Herausforderungen!

Bild: © istockphoto.com, julos

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