Was ist das Gegenteil von Teufelskreis?

Das Spiel Gegensätzen ist etwas Wunderbares, vor allem wenn die Sprache hier auch noch mit Bildern arbeitet. Aber beim Übersetzen stellt es häufig eine große Herausforderung dar. So war zum Beispiel in einer Übersetzung das Paar „vicious circle“ und „virtous circle“ zu übertragen.

Müsste doch eigentlich ganz einfach sein, denn da ist natürlich zum einen der Teufelskreis, aber dann … ja, was ist denn eigentlich das Gegenteil vom Teufelskreis? Natürlich gibt es Umschreibungen, wie eine Spirale, die sich abwärts und aufwärts dreht, eine Dynamik, die negativ und positiv wirkt.

Gibt es einen „Engelskreis“?
Aber keine dieser Entsprechungen ist so plastisch und anschaulich wie der Teufelskreis, bleibt also die Frage, ob es einen Engelskreis gibt. Das Deutsche Wörterbuch von Wahrig und auch der Online-Duden sagen eindeutig nein, aber trotzdem zeigt google 17.600 Treffer für dieses Wort an. Offensichtlich war es bereits vielen ein Bedürfnis, das Gegenteil des Teufelskreises zu verbalisieren. Trotzdem hat sich das Wort, bislang jedenfalls, noch nicht in der Alltagssprache durchgesetzt. So bleibt der Übersetzerin erst einmal nur die Umschreibung, um eine sich positiv verstärkende Entwicklung in Worte zu fassen.

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Eine Antwort auf Was ist das Gegenteil von Teufelskreis?

  1. Der Teufelskreis ist ein Weg, der einen bei einem Problem nicht weiter bringt, sondern einen wieder dort zurück lässt, wo man angefangen hat: Bei seinem Problem. Der englische Autor hat offenbar gemeint, es müsse auch einen Kreis-Lauf geben, den man begehen kann, ohne genau dort herauszukommen, wo man begann. Einen Weg, auf dem man unterwegs sein Problem ablädt und dann unbeschwert „von vorne anfangen“ kann.

    Der Deutsche kennt hingegen mindestens zwei Wege, auf denen man „aus dem Teufelskreis ausbrechen“ kann, die einen vom Problem weg und zur Lösung hinführen: Den goldenen Mittelweg (als Kompromiss) und den Königsweg (als der beste denkbare Weg). Diese Begriffe lassen sogar offen, ob man danach wieder dort steht, wo man begann.

    Philosophischer Exkurs: Das Labyrinth (nicht der Irrgarten!) ist nicht nur für Christen ein Weg, der einen vom Rand eines Kreises zum Zentrum führt. Es wird als Meditation beschritten. Mit der typischen Dialektik „Welt=böse, Himmel=gut“ könnte man dann auch den äußeren, weltlichen Rand des Labyrinths als „Teufelskreis“ sehen: In der materiellen Welt außerhalb des Labyrinths hat er Macht, innen führt der Weg zu Gott, spiritueller Reinheit und Frieden. Damit wird das Labyrinth – als meditative „Problemlösungstechnik“ auch zum Gegenteil des Teufelskreises. Leider wird heute unter Labyrinth meist der Irrgarten (miss-)verstanden, ohne Erläuterung würde die Textverständlichkeit leiden und Teufelskreis + Labyrinth ist als Begriffspaar deutlich schlechter als Teufelskreis + Königsweg.

    Zurück zur Frage: Wie übersetzen? Ich würde, wie von Frau Kessler vorgeschlagen, mit „Abwärts-/ Aufwärtsspirale“ arbeiten, weil das ein im Deutschen allgemein verständliches und sprachlich neutrales Begriffspaar darstellt. Wenn der restliche Text auch eher bildhaft-metaphorisch gestrickt ist, würde ich mich für Teufelskreis + Königsweg entscheiden.

    Viele Grüße
    Christopher Köbel